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Farbmanagement


Themen
Einführung
Warum sehen die Farben anders aus als bei mir zu Hause?
Wie kann man Farbabweichungen vermeiden?
Wie richte ich ein Farbmanagement ein?
Kann ich auch ohne Farbmanagement eine gute Farbgenauigkeit erreichen?
Ich arbeite mit Adobe-Produkten (Creative Suite)

Einführung


Viele sprechen von Farbmanagement und doch setzen es nur wenige wirklich ein. Dabei ist ein Farbmanagement eine sehr wichtige Angelegenheit, um vor unangenehmen Überraschungen gefeit zu sein. Es kommt oft genug vor, dass wir für unsere Autoren den ersten farbigen Ausdruck vom Umschlag oder vom farbigen Inhalt des neuen Buches versenden und kurze Zeit später klingelt das Telefon, weil die Farben stark von dem abweichen, was der Autor erwartet hat. Schnell schiebt man sich hier gegenseitig die Schuld in die Schuhe ... In Wahrheit liegen diese Probleme fast immer an einem fehlenden Farbmanagement. Doch was ist das genau?

Warum sehen die Farben anders aus als bei mir zu Hause?


Jedes Gerät, dass an der Entstehung eines Druckerzeugnisses beteiligt ist, hat seine Eigenarten. Ihre Digitalkamera neigt zu einem Farbstich, bestimmte Farben werden kräftiger wiedergegeben als andere, Ihr Scanner macht das vielleicht auch, Ihr Monitor wurde nie kalibriert, auch ihr Tintenstrahldrucker neigt zu Abweichungen im Vergleich zu anderen Geräten.
Das eigentliche Problem ist dabei nicht einmal die Tatsache, dass Ihre Geräte diese kleinen Besonderheiten aufweisen, sondern vielmehr, dass Sie sich bereits daran gewöhnt haben! Sie kennen Ihre Geräte, wissen wie die Farben auf dem Monitor aussehen und wie Ihr Drucker diese später ausgibt. Doch wenn Sie Ihre digitalen Daten auf einem anderen Monitor betrachten, auf einem anderen Drucker drucken oder Ihre Bilder zum Fotogeschäft bringen, dann werden diese unter Umständen ganz anders aussehen als bei Ihnen zu Hause. Oft ist es sogar so, dass besonders gute Drucker scheinbar viel schlechtere Ergebnisse erzielen als Ihr eigener.
Warum? Bei Profidruckern werden die Daten möglichst farbecht wiedergegeben, Pixel sieht man viel deutlicher, Kontraste wirken milder und Farbstiche kommen deutlicher heraus. Auch das verwendete Papier spielt dabei ein große Rolle. Viele Hobby-Drucker arbeiten mit kleinen Tricks (»Foto-Modus« oder Interpolieren zu geringer Auflösungen). Das Ergebnis ist dann bereits verfälscht, »optimiert« ... wie auch immer man es nennen möchten.

Wie kann man Farbabweichungen vermeiden?


Ganz klar: Mit einem Farbmanagement! Unter diesem Begriff versteht man dabei die Abstimmung aller an der Entstehung eines Druckauftrages beteiligten Geräte – die Eingabegeräte (Scanner, Digitalkamera), die Betrachtungsgeräte (Monitor) und die Ausgabegeräte (Proof, Drucker). Nur wenn alle Geräte aufeinander abgestimmt sind, wird das spätere Druckergebnis der zu Beginn digitalisierten Vorlage weitestgehend entsprechen. Die Abstimmung der Geräte erfolgt dabei durch den Einsatz sogenannter Farb-(ICC)Profile, die die jeweiligen Eigenarten Ihres Gerätes kennen und berücksichtigen. Viele Geräte werden bereits mit einem eigenen Profil ausgeliefert, für ein wirklich sauberes Farbmanagement ist aber eine penible Messung und das anschließende Berechnen des genauen Farbprofils unerlässlich.
Nach einer solchen Profilerstellung und Kalibrierung werden Sie mit einem Ausdruck belohnt, der (fast) genauso aussieht wie das Original. Doch leider funktioniert das nur solange, wie diese Geräte-Kette nicht unterbrochen wird. Schwierig wird es nämlich, wenn das ICC-Profil des Ausgabegerätes bei der Erstellung von Ihren Druckdaten unbekannt ist. Zum Beispiel, wenn nicht im eigenen Hause gedruckt werden soll.
In diesem Fall benötigen Sie eigentlich das Farbprofil des Drucksystems der gewählten Druckerei. Doch oft steht diese bei der Erstellung der Druckdaten noch gar nicht fest. Sie überlegen noch, ob Ihr neues Buch bei Monsenstein und Vannerdat als Book on Demand erscheinen soll, oder ob sie eine Auflage im Offsetdruck vorziehen.
Um hier Abhilfe zu schaffen gibt es universelle Ausgabe-Profile, ein Standard, auf den sich viele Druckereien geeinigt haben. In Europa sind dies zum Beispiel die von der FOGRA (Fogra-Forschungsgesellschaft Druck e.V. - München) herausgegebenen Profile. Lediglich das zu verwendende Papier sollte bereits von Anfang an bekannt sein. So zum Beispiel gelten »Coated FOGRA27 oder Coated FOGRA39« als Universalprofile für beschichtete Papiere (Bilderdruck) oder »Uncoated FOGRA29« als Universalprofil für Naturpapiere. Aufgrund der technischen Besonderheiten des Digitaldrucks im Vergleich zum Offsetdruck müsste eigentlich auch hier ein eigenes Universalprofil eingesetzt werden. Durch die untereinander stark abweichenden Systeme und Techniken gibt es hier aber leider noch keinen Standard. Empfohlen wird auch hier allgemein FOGRA27 oder dessen Nachfolger FOGRA39.

Wie richte ich ein Farbmanagement ein?


Zunächst einmal müssen Ihr Monitor kalibriert und alle Ihre Geräte eingemessen werden. Dazu benötigt man ein »Kolorimeter«, bei Scannern und Kameras sogenannte »Targets« und für den Drucker ein »Spektralfotometer«.
Ihren Monitor kalibrieren Sie mit einem Messgerät, dem Kolorimeter. Zunächst wird der Monitor auf einen Standardwert gesetzt (Gamma = 2,2, Farbtemperatur = 6500 K). Für die anschließende Kalibrierung werden bestimmte, bekannte Farben auf dem Monitor angezeigt und gemessen. Weicht das Messergebnis von dem bekannten Farbwert ab, wird der Monitor so eingestellt, dass die Abweichung gegen Null geht. Die vorgenommenen Einstellungen werden nun als Farbprofil zusammengefasst und gespeichert. Das Problem einer genauen Monitorkalibrierung ist aber das ständig wechselnde Umgebungslicht im Arbeitsraum oder bestimmte Eigenschaften des Monitors, Farben trotz sorgfältiger Kalibrierung einfach nicht genau wiedergeben zu können. Hier sind z.B. Flachbildschirme einem Röhrenmonitor oft unterlegen, denn diese zeigen gerade in den Lichtern keine feinen Abstufungen.
Zum Erstellen eines individuellen Scanner- und Kamera-Profils (ICC-Profil) benötigt man ein sogenanntes »Target«. Dies ist eine Vorlage (ein Dia für Filmscanner oder eine Vorlage, meist auf Fotopapier, für Flachbettscanner), die eine Reihe von Referenzfarben zeigt, die zunächst mit dem Scanner digitalisiert oder mit der Kamera bei ganz genau definierten Lichtverhältnissen (Weißabgleich) abfotografiert werden. Das digitalisierte Ergebnis wird nun mit einer speziellen Software »gelesen« und mit den bekannten Werten des Targets verglichen. Die gemessenen Abweichungen zeigen die gerätetypischen Ungenauigkeiten an und können als ICC-Profil gespeichert werden. Der Einsatz des Profils beim Scannen ermöglicht die Vermeidung dieser nun bekannten Ungenauigkeiten. Das Ergebnis entspricht dann den Farbwerten des gescannten Originals.
Auch das Erstellen eines ICC-Profils für den Drucker erfolgt durch ein Target, allerdings »anders herum«: Sie drucken die Referenzfarben mit bekannten Farbwerten aus einer Datei aus. Diese werden anschließend mit einem Spektralfotometer gemessen und mit den Farbwerten des Referenzdruckes verglichen. Die gemessenen Werte zeigen, wie sehr der Drucker vom Eingabewert abweicht. Auch diese Abweichungen werden als ICC-Profil gespeichert und anschließend beim Druck berücksichtigt. Um eine möglichst genaue Farbwiedergabe zu erreichen, muss man aber auch das Papier, auf das gedruckt wird, in den Prozess mit einbinden, da dessen Grundfärbung und Oberflächenstruktur (gelbliche Werkdruckpapiere, hochweiße oder gestrichene Papiere) zur Farbverfälschung beiträgt. Somit wird für jedes Papier gleich ein eigenes Profil erstellt.

Kann ich auch ohne Farbmanagement eine gute Farbgenauigkeit erreichen?


Jein, denn ohne Farbmanagement haben Sie keinerlei Kontrolle über das spätere Druckergebnis. Dennoch können Sie gewisse Grundregeln beachten, um zumindest die gröbsten Fehler zu vermeiden:

1. Stellen Sie Ihren Monitor möglichst gut ein. Setzen Sie dazu die Farbtemperatur auf 6500 K, den Gammawert auf 2,2. Stellen Sie Helligkeit und Kontrast entsprechend des Umgebungslichtes an Ihrem Arbeitsplatz ein. Alternativ können Sie sich ein preiswertes Messgerät für Hobby- und semiprofessionelle Anwendungen (z. B. Spyder3Elite, ca. 250,- bis 300,- Euro) kaufen.

2. Vermeiden Sie bei der Bildbearbeitung übertriebene Farb-, Helligkeits- und Kontrast-Einstellungen. Im Zweifelsfall lassen Sie die Bilder einfach unbearbeitet.

3. Entfernen Sie alle Farbeinstellungen in allen verwendeten Programmen. Nutzen Sie nur Standard-Profile (sRGB für den Monitor, FOGRA27, bzw. FOGRA39 für Book on Demand und Offsetdruck auf gestrichenem Papier, FOGRA29 für Offsetdruck auf Naturpapier oder FOGRA30 für den Druck auf Werkdruckpapieren im Offsetdruck).

4. Erstellen Sie keine Prüfausdrucke auf Ihrem Drucker. Nutzen Sie diesen allein für Korrekturausdrucke.

5. Wandeln Sie RGB erst ganz zum Schluss in CMYK um. RGB hat den größeren Farbraum, machen Sie hier bereits zu Anfang Fehler, können die Farben nicht »zurückgeholt« werden. Oder belassen Sie alles in RGB. Bei unseren Full-Service-Paketen wandeln wir automatisch in CMYK um. Warten Sie das Ergebnis ab!

6. Warten Sie einen Andruck (= Aushänger in unserem Fall) Ihrer Druckerei ab und entscheiden Sie erst dann, ob Kontraste oder Farben geändert werden müssen und nehmen Sie diese Korrekturen allein anhand dieses Andruckes selber vor. Bitten Sie Ihre Druckerei alternativ um einen vorherigen Andruck (im Offset sehr teuer) oder einen Maschinenproof ausgewählter Bilder/Seiten. Stellen Sie nun alle Farben und Bilder exakt gleich ein, so wie es für die angedruckten Muster notwendig erscheint.

Ich arbeite mit Adobe-Produkten (Creative Suite)


Wenn Sie mit professioneller Software arbeiten, haben Sie die Möglichkeit, die spätere Ausgabe Ihres Buches bereits bei der Bildbearbeitung und beim Satz zu prüfen. Hierzu wird die Ausgabe entsprechend der gewählten Drucktechnik und des Papiers simuliert. Dazu gibt es bei uns Farbeinstellungen, die Sie sich unter Download herunterladen können. Wählen Sie hier bereits zu Beginn des Projektes, welches Papier Sie verwenden möchten (gestrichen, Natur oder Werkdruck).
Die Farbeinstellungen der Creative Suite sind abhängig von der Version. In der Regel stellen Sie zunächst Photoshop ein. Hier können Sie unter »Bearbeiten / Farbeinstellungen« die Farbeinstellungen laden. Auch Acrobat gehört eingerichtet, dies erfolgt ähnlich wie bei Photoshop über »Bearbeiten / Grundeinstellungen / Farbmanagement«. Hier wählen Sie die gleichen Voreinstellungen aus. InDesign wird ebenfalls über »Bearbeiten / Farbeinstellungen« justiert. Bei neueren Versionen kann auch über die Adobe Bridge synchronisiert werden. Hier müssen Sie unter »Bearbeiten / Voreinstellungen / Erweitert« das Farbmanagement erlauben.
Wichtig ist, dass alle Programme synchronisiert sind oder zumindest die gleichen Einstellungen aufweisen. Über die Ausgabevorschau in Acrobat können Sie nun einen Eindruck des späteren Druckergebnisses gewinnen. Genau ist diese Vorschau aber nicht, denn sie hängt absolut von der Kalibrierung Ihres Monitors ab und ist wenig zuverlässig. Aber besser als nichts.